Alle kennen ein paar von ihnen, aber nicht jedem oder jeder ist bewusst, wie wichtig sie für unsere Umwelt sind. Gitta Stahl vom Beratungsbüro für nachhaltiges Gärtnern und Dipl.-Biologin Heike Vullmer haben uns erklärt, warum man auch Wildpflanzen wie Löwenzahn oder Gänseblümchen einen Platz im Garten zugestehen sollte.

Nützlich für Tiere und Insekten
Pflanzen, die sich ohne Hilfe vom Menschen ansiedeln und verbreiten können und nicht durch Züchtung verändert wurden, nennt man Wildpflanzen. In Niedersachsen gibt es rund 2000 solcher Farn- und Blütenpflanzenarten, etwa 800 von ihnen stehen auf der „Roten Liste“. Welche von ihnen wo wachsen, hänge stark vom Standort ab, so Vullmer. So können unter anderem die Temperatur, die Verfügbarkeit von Wasser und Schatten oder Sonne einen Einfluss darauf haben, welche Pflanze sich auf natürliche Art und Weise dort ansiedelt. Wo die Pflanze wächst, wirkt sich auch auf die Tiere und Insekten in der Umgebung aus, da manche von ihnen auf bestimmte Wildpflanzen angewiesen sind. Teils gehe dies sogar so weit, dass man von einem „Schlüssel-Schloss-System“ spricht. Das bedeutet, wenn ein Teil des Systems wegfällt, gerät auch das Gegenstück in Schwierigkeiten. Ein gutes Beispiel dafür sei das Tagpfauenauge, dessen Raupen ausschließlich Brennnesseln fressen, so Vullmer. Bei der Honigbiene sei dies anders, da sie ein Generalist sei. Sie sei nicht so abhängig von bestimmten Pflanzenarten wie zum Beispiel viele Wildbienen, erklärt Gitta Stahl.

Platz im Garten für die „Wilden“
Aber nur weil sie Wildpflanzen heißen, sollten sie nicht ausschließlich in der Wildnis wachsen, sind sich Stahl und Vullmer einig. Auch im Garten sollte man zumindest einigen von ihnen Platz lassen. Empfehlenswert seien ein- und zweijährige Wildpflanzen, da diese sich leichter begrenzen lassen, so Gitta Stahl. Greift man bei der Pflanzenauswahl hingegen auf gezüchtete Sorten zurück, sollte man darauf achten, dass diese keine gefüllten Blüten haben. Da diese keinen Pollen und Nektar produzieren, sind sie für die Natur wertlos, auch wenn es durchaus einige Tiere und Insekten gibt, die sich u.a. von den Blättern ernähren, so die Expertinnen.

Nachhaltiges Gärtnern fördert natürliche Kreisläufe
Auch beim nachhaltigen Gärtnern, für das sich Gitta Stahl einsetzt, können Wildpflanzen eine Rolle spielen. Bei dieser Art zu gärtnern geht es vor allem darum, natürliche Kreisläufe zu erhalten und zu fördern. Für die Pflanzenauswahl bedeutet dies, dass solche bevorzugt werden, die Nektar, Pollen und in Folge Samen und Früchte produzieren, damit sich Tiere von diesen ernähren und Nistmaterial nehmen können. Und das Gute an den Wildpflanzen ist, dass man sich gar nicht darum kümmern muss, dass sie im Garten wachsen. Sie kommen von ganz allein, erweitern den Artenreichtum und bringen Leben in den Garten. (te)

Foto: Gitta Stahl