Nachruf Michael Hüskes

Nachruf Michael Hüskes

Mit tiefen Bedauern erfuhren wir, das der beliebte Musiker „Michael Hüskes“ im Januar 2019 von uns gegangen ist.

Aus diesem Grund stellen wir den Artikel vom Juni 2014  über ihn und die Band „Der fiese Besuch“ aus Achim, inklusive einiger Bilder , hier noch einmal online.

„Der fiese Besuch“ aus Achim

„It only just started…“ – Serie über die regionale Musikgeschichte

Im Gespräch mit Sänger Michael Hüskes

Aus Achim kam „Der fiese Besuch“ und sorgte auf allen Veranstaltungen für Bierknappheit. Die Band bestand aus: Michael Hüskes (Gesang), Markus Bertram (Gitarre), Nils „Poppy“ Sanders (Bass) und Harry Busch­ke (Schlagzeug, später ersetzt durch Friedhelm „Friedel“ Elfers)

Wann ging es los?

Damals im Jugendzentrum Achim probte eine Band mit Namen „Die fünf blonden Schwestern“, bei der spielte auch Markus Bertram mit. Ich habe da hin und wieder als Aushilfe mitgespielt. Daraus formierte sich aber so langsam eine andere Geschichte, aus der sich dann „Der fiese Besuch“ entwickelte. Das war ca. 1984/85, da bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Kennengelernt haben wir uns erst durch den Probenraum im Achimer Juz. Michael de Haas, ein Freund von mir, war damals dort als Sozialarbeiter angestellt und spielte auch als Schlagzeuger in einer Band. So bin ich an die Szene herangekommen.

Warum „Der fiese Besuch“ ?

Geprobt haben wir, wenn möglich, im Juz Achim. Da der Raum aber von vielen Bands genutzt wurde, ging es dort nicht immer. So probten wir immer da, wo es möglich war. Das heimste uns unseren Bandnamen ein. Unser Bekannter Ingo Gründler hatte mitbekommen, dass wir immer mal diese Schwierigkeiten hatten und bot uns an, dass wir bei ihm zu Hause proben konnten (er wohnte noch bei seinen Eltern). Das haben wir gerne angenommen.

Das war gerade am Anfang, und wir hatten zu der Zeit auch noch keinen Bandnamen. Unsere Musik war auf alle Fälle tierisch laut. Ich sah aus dem Fenster und konnte sehen, wie die Polizei aufs Haus zukam. Da rief ich zu den anderen: „Ey! Wir bekommen fiesen Besuch!“ Die anderen fanden das tierisch geil und so hatten wir dann einen Bandnamen.

Der erste Gig?

Unsere Musikrichtung war Punkrock mit deutschen Texten, das kristallisierte sich bei den Proben immer mehr heraus. Wir hörten damals selber Musik von den Ramones oder Nina Hagen. Beeinflusst hat uns das aber nicht. Wir haben lieber unsere Musik und Texte selber geschrieben.

Unser erstes Konzert gaben wir dann in Achim-Borstel auf einer Scheidungsparty. Das war der totale Wahnsinn. Bei der ansässigen Tankstelle gab es später kein Bier mehr zu kaufen, da sie von den Partybesuchern leer gekauft wurde. An dem Abend waren ca. 100 Leute anwesend, die alle zu unserer Musik durchdrehten, tanzten und laut Zugabe brüllten. Für uns war das unfassbar. Wir hatten dann Auftritte in Verden, Achim und auf Festivals. In Achim haben wir bei einem Open-Air zusammen mit Jamaica Papa Curvin gespielt, das war schon ziemlich geil. (Anm. der Red. „Germanys Grandfather of Roots Rock Reggae“) Bei einem unserer Auftritte, ein Draußen-Konzert bei einem Typen namens Knüppel, spielten wir auf einem alten Anhänger. Es war ein kleines Dorf, nach dem dritten Stück fiel auf einmal der Strom aus und zwar im ganzen Dorf.

Einmal haben wir auch einen Gig vermasselt. Wir sollten auf einer Party spielen, Gesangsanlage und alles stand bereit. Leider hatten die Jungs schon gut vorgeglüht und als es dann zum Auftritt kam, hat jeder ein anderes Stück gespielt, wir versuchten es mehrmals zusammen zu bringen, aber da ging nichts mehr.

Unser größtes und auch letztes Konzert als „Der fiese Besuch“ gaben wir 1989, im Dröönläänd Achim. Das fasst normalerweise 300 Leute, zum Konzert kamen aber ca. 600, auch hier war das Bier wieder schnell ausverkauft.

Von „Der fiese Besuch“, gab es nur einen Livemitschnitt auf Kassette, der aber hat sich damals rasend schnell in der Szene verbreitet. 1989 trennten wir uns dann auch wegen persönlicher Differenzen und dem Willen neue musikalische Wege zu finden.

„The Schmerz“?

1990 wurde dann die Folgeband „The Schmerz“ gegründet. Da spielte dann Harry Buschke wieder an den Drums, Frank Wilken Bass; Markus Bertram Gitarre und ich als Sänger. Die Musik wurde rockiger, die Texte waren hauptsächlich Deutsch. Aber wir haben auch Songs von Bowie gecovert.

Mit „The Schmerz“ sind wir dann beim Warstein Festival vor 8000 Leuten aufgetreten. Bei der Independent Night in Langwedel waren wir zusammen mit Terry Hoax und den Shifty Sheriff vertreten.

„The Schmerz“ lief dann zwei Jahre. Man kann es also als Kurzzeitprojekt betiteln. Von der Band gibt es lediglich ein Demotape/Studioaufnahme. Auch das hat sich in Windeseile unter den Fans verteilt. Auf mancher Party hörte man dann seine eigene Musik.

Was macht ihr jetzt so?

Frank Wilken (The Schmerz) ist Berufsmusiker geworden, er spielt in vielen Coverbands. Friedel spielt immer noch Schlag­zeug, er spielt in der Achimer Grungeband „Ten Spirit“ die spielen am 9.8. in Achim in der Musikschule von Till Simon. Markus Bertram ist richtig ins Musikgeschäft eingestiegen, er richtet Tonstudios für Bands wie Xavier Naidoo, Rammstein und andere große Künstler ein.

Ich mache auch heute noch Musik, und bringe zusammen mit meiner Freundin Karin Karma (Reinhardt) spritzigen, deutschen Poprock unter die Menschen. (siehe „Die Hüskes“ bei https://soundcloud.com)

Was Poppy und Harry machen, kann ich leider nicht genau sagen. Manche Spuren verlaufen sich eben. (ja)