Die teils kalten Temperaturen lassen uns dieser Tage noch zu Schal und Mütze greifen, aber wir können langsam aufatmen, die Frühlingsboten sind schon auf dem Weg zu uns. „Wir erwarten die ersten Rauch- und Mehlschwalben ab kommender Woche“, berichtet Leonie Jordan von der NABU Regionalgeschäftsstelle Weser-Mitte. „Die Schwalben finden heutzutage jedoch immer seltener geeignete Nistmöglichkeiten und auch das Nahrungsangebot wird knapp“, so Jordan weiter. Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden in der Stadt, verschlossene Ställe durch strenge Hygieneanforderungen auf Höfen, zubetonierte Feldwege und Einfahrten sowie der allgemeine Insektenschwund, all das mache den Tieren zu schaffen.

Aber es gibt auch Lichtblicke. „Schwalbenfreunde in der ganzen Region unterstützen die Tiere bei ihrem Nestbau, es werden Scheunen geöffnet, Lehmpfützen angelegt und, wo notwendig, künstliche Nisthilfen angebracht.“, betont Leonie Jordan. „Dieses Engagement zeichnen wir jedes Jahr mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ aus“, so Jordan weiter.

Ehler Harms aus Nienburg ist bereits stolzer Besitzer einer Plakette. Der NABU-Aktive beherbergt jedes Jahr um die 12 Rauchschwalbenbrutpaare in seiner „Schwalbendiele“. Hier hat Harms seine Werkstatt und arbeitet, auch dann, wenn die Tiere ein und ausfliegen. Die Schwalben stören sich schon lange nicht mehr an ihm. „Die Schwalben bringen viel Freude und Leben auf den Hof, aber klar, sie machen auch Dreck, das lässt sich nicht leugnen“, erzählt Harms. Um den Arbeitsaufwand so gering wie möglich zu halten, hat der gelernte Tischler Kotbretter unter den Nestern angebracht. Die Brettchen werden am besten mindestens 60 cm unter den Nestern angebracht und können, nach Aufbruch der Schwalben im Herbst, einfach gereinigt werden. Der Kot lässt sich dabei auch hervorragend als Blumendünger verwenden.

Ehler Harms hat an die Bretter noch Anflugstangen angebracht, „da sitzt morgens dann das Männchen drauf und hat das Nest, in dem seine Partnerin die Eier legt, gut im Blick“.

Die Tiere sind standorttreu und kommen jedes Jahr um den 01. April zu den Harms. Die Tür zu den Brutplätzen steht dann schon offen. Dass es ab Mitte September wieder in den Süden geht erkennt der Schwalbenfreund sofort, „die Vögel reihen sich kurz vor Abflug auf einer Stange in der Schwalbendiele auf, dann geht es gemeinsam ins Winterquartier“, so Harms. „Wie damals auf Klassenfahrt“, schmunzelt Leonie Jordan.

Auch in Sulingen im Landkreis Diepholz sind Schwalben willkommen. Auf dem Hof von NABU-Mitglied Günther Immor finden sich zahlreiche Nester, „Um die 26 Rauchschwalbennester waren es im letzten Jahr“ berichtet Immor. Die Nester sind überall auf dem Hof verteilt, die Tiere bevorzugen aber vor allem den Pferdestall, dort sind sie geschützt vor Wind und Wetter, finden reichlich Insekten und Nistmaterial. Denn hier können die kleinen Untermieter noch selbst bauen. Neben dem Stroh werden für die Tiere Pferdehaare gesammelt und in den kommenden Tagen plant Herr Immor eine Lehmpfütze für den Nestbau anzulegen.

„Natürlich machen die Schwalben auch Arbeit, aber gerade im Pferdestall geht die Reinigung mit dem Ausmisten der Ställe Hand in Hand“, erzählt Günther Immor. Die Freude über die gefiederten Mitbewohner überwiege ganz klar.

Wer nun selbst Schwalben willkommen heißen möchte, kann folgende Tipps beherzigen:

Lehmpfützen anlegen

Wer Garten oder Hof mit geeignetem Boden besitzen, kann ab April und bis in den Juni entsprechende Bodenstellen frei und feucht halten.

Gibt es auf dem Grundstück keine natürliche Lehmquelle, kann eine freiliegende, künstliche Lehmpfütze angelegt werden. Diese sollte nicht mehr als 300 Meter vom Nistplatz der Schwalben entfernt sein und Katzen und anderen Räubern keine Deckung bieten.

Kunstnester anbringen

Überall dort, wo Schwalben zu wenig Lehmboden für den Nestbau finden, freuen sie sich auch über Kunstnester. Diese sehen für Rauch- und Mehlschwalben unterschiedlich aus. Zudem werden Nester für Rauchschwalben an zugluftfreien, möglichst halbdunklen Räumen wie in Ställen oder in Scheunen angebracht. Sie brauchen mindestens 15 Zentimeter Platz zwischen Nestoberkante und Decke und bauen ab einer Höhe von 2 Metern. Mehlschwalben bevorzugen ihre Nester geschützt an Gebäuden unter dem Dachgiebel, an Garagen oder Stallungen in mindestens 2,5 Meter Höhe.

Naturnaher Lebensraum als Nahrungsgrundlage

Dazu noch ein naturnaher und insektenfreundlicher Garten und die Schwalben fühlen sich wohl und willkommen. Eine Vielfalt an heimischen Pflanzen lockt Insekten an und bietet genügend Futter für die Schwalben und ihren hungrigen Nachwuchs.

„Menschen, die sich für Schwalben engagieren und an ihren Häusern dulden, können sich jederzeit für die Auszeichnung mit einer Plakette und Urkunde ‚Schwalbenfreundliches Haus‘ bewerben, ganz gleich, ob es sich bei dem Gebäude um ein Wohnhaus, Hotel, Bauernhof oder Fabrikgebäude handelt“, lädt Leonie Jordan Interessierte zur Teilnahme ein.

Weitere Infos, Kunstnester und Bewerbungen für die Plakette können beim NABU Weser-Mitte, Strukturstraße 7, 27283, angefragt werden.

Die aktuellen Öffnungszeiten der Geschäftsstelle können unter www.nabu-weser-mitte.de eingesehen oder telefonisch unter 04231 9701460 abgefragt werden.