Bremer Band Organbank
Während des Auftrittes von Organbank kam es zu einem Polizeieinsatz. Foto: Fotoarchiv Wigger

Die „Schlacht von Verden“ am 28.11.1980

Der Fotograf und Musiker Wolfgang Wiggers hat mit seiner Kamera die regionale Musikgeschichte dokumentiert. In jeder Ausgabe veröffentlicht er Fotos aus seinem umfangreichen Archiv im Överblick.

„Straßenschlacht in Verden: 100 Bremer Punker gegen Poli­zei“ ­ diese Schlagzeile prangte Ende November 1980 in einer großen Boulevardzeitung.
Vier Bands aus Verden, Rinteln und Bremen
Im Jugendzentrum Dampf­mühle sollte ein überregionales Konzert mit vier Punkbands stattfinden: Entart (Verden), Mai 80 (Rinteln) sowie Niveau Null und Organbank (beide Bremen). Fast die gesamte Bremer Punk­szene war angereist, um ihre beiden Bands zu unterstützen, und so war das JZ mit über 150 Punks gut gefüllt.
In der Umgebung hatte es schon zu Beginn des Konzerts einige kleinere Vorfälle gegeben. So wurde Senf in Baumaschinen gefüllt und es ging ein mit Hoch­prozentigem gefüllter Flachmann in Flammen auf. Um das JZ zu sichern, rückte daraufhin die Feuerwehr mit drei Einsatzwagen an, die jedoch von einigen auf Randale stehenden Jugendlichen angegriffen wur­den. Sofort wurden polizeiliche Verstärkungskräfte aus Verden, Nienburg und aus Bremen ange­fordert. In kurzer Zeit waren über 50 Polizeibeamte vor Ort.

Viele der über 150 Gäste im Jugendzentrum waren aus Bremen angereist. Foto: Fotoarchiv Wigger

Abbruch des Konzert
Eine Hundestaffel durchsuch­te das Jugendzentrum und ging dabei nicht gerade zimperlich mit

den Musikliebhabern um. Zu die­ser Zeit spielten gerade Organ­bank (siehe Foto), die ihren Auftritt Minuten später abbre­chen mussten, um ihre Instru­mente in Sicherheit zu bringen. Die Stimmung drohte zu kippen.
Plünderungen im Bahnhof
Die meisten Bremer Punks zo­gen dann zum Bahnhof. Obwohl die Verdener versuchten die Menge zu beruhigen, wurde der Kiosk in der Bahnhofshalle ge­plündert. Die Polizei stürmte dann den Zug, mit dem die Bre­mer zurückfahren wollten. 24 Punks mussten sich flach auf den Bahnsteig legen und wurden dann in Handschellen abgeführt, um die Personalien aufzuneh­men. „Vereinzelt wurde auch mit Knüppeln und Fußtritten nachge­holfen“, schrieb die Verdener Al­ler­Zeitung.
Trotz dieses unschönen Auf­takts fanden in der Dampfmühle in der Folgezeit noch viele Punk­konzerte statt. (Wolfgang Wiggers)